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Erwachsene mit Essstörung: Warum Recovery auch nach der Jugend sinnvoll ist

Wenn sich alles verändert, aber die Essstörung bleibt

Neujahr fühlt sich oft nach Neuanfang an.

Neue Vorsätze, neue Ziele, neue Version von sich selbst.

Für viele junge Erwachsene mit einer Essstörung ist dieser Jahreswechsel aber nicht nur hoffnungsvoll, sondern auch ambivalent. Vor allem dann, wenn sich nach der Jugend vieles im Leben gleichzeitig verändert und alte Muster weiter bestehen bleiben. Vielleicht begleitet dich das Thema Essen schon seit der Jugend. Vielleicht ist es leiser geworden, aber nie ganz verschwunden. Vielleicht fragst du dich:

„Bin ich nicht langsam zu alt dafür?“

„Hätte ich das nicht längst hinter mir lassen müssen?“

Die ehrliche Antwort ist: Recovery hat kein Ablaufdatum.
Und: Es ist nie zu spät, Unterstützung anzunehmen.

Essstörungen beginnen oft früh – aber sie enden nicht automatisch mit 18

Essstörungen treten häufig im Jugendalter auf. Studien zeigen jedoch, dass Körperunzufriedenheit und belastende Gedanken zum eigenen Gewicht bereits sehr früh beginnen können – teilweise schon im Kindesalter.
Bei vielen Betroffenen verstärken sich Symptome dann in der Pubertät deutlich. Viele nehmen Gedankenmuster oder Verhaltensweisen schließlich mit ins junge Erwachsenenalter.
Was sich mit 18 verändert, ist oft nicht die Erkrankung – sondern die Struktur drumherum.

Plötzlich bist du selbst verantwortlich:

  • für Arzttermine
  • für deinen Alltag
  • für deinen Wohnort
  • für deinen Rhythmus

Gleichzeitig entsteht häufig eine Versorgungslücke: Die Kinder- und Jugendangebote enden, neue Anlaufstellen müssen erst gefunden werden. Das kann verunsichern – und dazu führen, dass Themen aufgeschoben werden.

Dabei zeigen Fachleitlinien und klinische Erfahrung: Je früher man beginnt, sich Unterstützung zu holen, desto besser kann sich der Verlauf stabilisieren. Das heißt nicht, dass Recovery später nicht möglich ist – sondern, dass frühes Hinschauen entlasten kann.

Eine Essstörung im Erwachsenenalter fühlt sich oft anders an als in der Jugend – weniger sichtbar, dafür häufig stärker verankert im Alltag. Genau deshalb ist es wichtig, auch als Erwachsener Unterstützung ernst zu nehmen.

Warum die Zeit zwischen 18 und 25 besonders sensibel ist

Die Jahre nach dem Schulabschluss sind geprägt von Veränderung. Vieles passiert gleichzeitig – oft ohne feste Leitplanken.

Vielleicht erkennst du dich hier wieder:

  • Ausbildung, Studium oder erster Job
  • Umzug, neue Stadt, neue WG
  • neue Beziehungen oder Trennungen
  • Wechsel von Kinderärzt:in zu Hausärzt:in
  • mehr Eigenständigkeit, aber auch mehr Druck

Veränderung bedeutet Wachstum – aber auch Stress.
Und Stress kann Essstörungssymptome verstärken oder wieder lauter werden lassen. Nicht, weil du „rückfällig“ bist. Sondern weil dein System gerade viel gleichzeitig verarbeiten muss.

Gerade in solchen vulnerablen Phasen, in denen sich vieles neu und unsicher anfühlt, kann die Essstörung sich zunächst vertraut anfühlen – fast so, als würde sie Halt oder Kontrolle geben.
Gleichzeitig macht sie viele Entwicklungsschritte, die du eigentlich gehen möchtest, deutlich schwerer.

„Jetzt bin ich erwachsen – sollte ich das nicht alleine schaffen?“

Viele junge Erwachsene tragen diesen Gedanken mit sich. Sie wollen niemandem zur Last fallen. Wollen funktionieren. Wollen zeigen, dass sie es im Griff haben. Aber erwachsen sein heißt nicht, alles alleine auszuhalten. 

Es heißt, Verantwortung für sich zu übernehmen – auch dafür, sich begleiten zu lassen. Recovery ist kein Zeichen von Schwäche. Sie ist ein Prozess. Und Prozesse brauchen Zeit, Wiederholung und Unterstützung. 

Auch wenn Symptome schon lange bestehen, kann es sich lohnen, hinzuschauen und Unterstützung anzunehmen. Ein früher Einstieg kann entlastend wirken – aber auch ein später ist sinnvoll.2. Essen nicht zum Dauerthema machen

Kontinuität: ein unterschätzter Faktor in der Recovery

Was in Phasen großer Veränderung oft fehlt, ist Kontinuität. Ein roter Faden im Alltag. Etwas, das bleibt, wenn sich vieles verschiebt.

Recovery findet nicht nur in Gesprächen oder Terminen statt – sondern im Alltag:

  • zwischen Vorlesungen
  • nach der Arbeit
  • abends allein in der Wohnung
  • in Momenten, in denen Gedanken laut werden

Gerade dann kann es hilfreich sein, etwas Konstantes an der Seite zu haben. Etwas, das nicht vom Wohnort, vom Job oder vom Lebensabschnitt abhängt. 

Für Erwachsene mit Essstörung im Übergang ins Erwachsenenleben, die sich in Studium, Job oder einem neuen Lebensabschnitt befinden, kann diese Form von Kontinuität entlastend wirken.

Wie eatappie junge Erwachsene ab 18 begleiten kann

eatappie ist jetzt auch für Erwachsene mit Essstörung zugelassen und begleitet junge Erwachsene im Alltag – unabhängig von Wohnort, Studium oder Beruf.

Die App ersetzt keine Therapie. Sie kann dich aber im Alltag unterstützen, gerade in Phasen voller Veränderung.

eatappie kann dich dabei begleiten,

  • Struktur in deinen Tag zu bringen
  • Routinen aufzubauen oder zu halten
  • Gedanken und Stimmungen zu reflektieren
  • dranzubleiben, auch wenn sich außen viel verändert

Unabhängig davon, ob du gerade umziehst, dein Studium beginnst oder dich beruflich neu orientierst: eatappie bleibt an deiner Seite – ruhig, flexibel und in deinem Tempo.Dein Kind muss diese Grenzen nicht selbst verteidigen.

Neujahr als Einladung – nicht als Verpflichtung

Du musst dieses Jahr nicht „alles ändern“. Du musst nicht perfekt starten. Und du musst dich nicht unter Druck setzen. Vielleicht ist dieses Neujahr kein kompletter Neustart.

Vielleicht ist es ein Weitergehen – mit mehr Bewusstsein und mehr Unterstützung. Recovery beginnt nicht an einem idealen Tag. Aber sie kann an jedem Tag beginnen.

Wenn du als Erwachsener mit Essstörung gerade merkst, dass Veränderungen dich aus dem Gleichgewicht bringen, darf Unterstützung Teil deines Weges sein.

FAQ – Häufig gestellte Fragen zu Hilfe bei Essstörungen

Wann sollte ich mir Hilfe bei einer Essstörung suchen?

Sobald du merkst, dass Essen dein Leben bestimmt oder dir Angst macht, ist es Zeit, dir Unterstützung zu holen. Auch Angehörige sollten früh handeln, wenn sie Auffälligkeiten bemerken. Je eher Hilfe gesucht wird, desto besser sind die Chancen auf Heilung.

Welche Therapie ist am besten bei Essstörungen?

Es gibt nicht die eine „beste“ Therapie. Oft wird Verhaltenstherapie eingesetzt, bei Jugendlichen auch familienbasierte Ansätze wie FBT. Entscheidend ist, dass die Therapie zu dir passt und dass du dich bei der Therapeutin oder dem Therapeuten wohlfühlst.

Wie finde ich schnell einen Therapieplatz?

Viele Praxen haben Wartelisten. Hilfreich sind Anrufe bei mehreren Therapeut:innen, die Vermittlung über die 116117 und Anfragen bei psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten. Auch Beratungsstellen können unterstützen. Wichtig: Gib nicht auf – jeder Anruf bringt dich weiter.

Können Apps eine Therapie ersetzen?

Nein, Apps sind keine Alternative zu einer Psychotherapie. Sie können aber eine wertvolle Ergänzung sein, z. B. um Wartezeiten zu überbrücken, deinen Alltag zu strukturieren oder Übungen zu machen. eatappie wurde speziell für junge Menschen entwickelt.

An wen kann ich mich in einer akuten Krise wenden?

In akuten Krisen, etwa bei starkem Untergewicht oder Suizidgedanken, solltest du sofort ärztliche Hilfe suchen – im Notfall über die 112. Auch die 116117 vermittelt schnell einen ärztlichen Termin. Zusätzlich gibt es telefonische und digitale Krisendienste, die rund um die Uhr erreichbar sind.